Tschernobyl

Heike Sabel, Heidenau/Sachsen, Deutschland

Bild von Chris Spencer-Payne auf Pixabay

Das Herz ist mir fast eingefroren, als ich auf der Kinderstation des Gomelner Krankenhauses den kleinen Jungen sah. Er stand neben seinem Bett. Seine Mutter saß, hielt ihn fest. Ich gab ihm ein Plüschtier, versuchte einen Spaß, sprach ein paar Worte. Aber dieses Kind konnte nicht mehr lachen. Die Augen sahen mich an wie aus weiter Ferne. Sie machten ihn älter als mich. Seine Kindheit hatte Tschernobyl als Geisel genommen. Ich kam mir vor wie fehl am Platze. Was half dieses elende Plüschtier diesem Kind? Hat es etwas geahnt von meiner Angst? Und die Mutter sagte brav zu ihm: „Na, wie sagt man?“ Doch wofür sollte sich dieser Knirps bedanken?

Dafür, dass sein kurzes Leben zwischen Betten, Tabletten, Chemotherapie und Haareschneiden stattfindet?

Dafür, dass er nicht mit den anderen im Hof Ball spielen kann?

Dafür, dass er jeden Abend mit seiner Mutter in einem 6-Bett-Zimer im Krankenhaus schlafen muss?

Dafür, dass dieses Bett sein Zuhause ist?

Dafür, dass er statt frechen Locken einen kahlen Kopf hat?

Wir möchten in diesen Tagen mit Gedanken von Deutschen und Belarusen an 35 Jahre Tschernobyl und wie es in unsere Gegenwart wirkt, erinnern. Wenn auch Sie sich daran beteiligen möchten, schicken Sie Ihren Text und Ihr Foto an: heike@eckoldt.de​. Vielen Dank.

Добавить комментарий

Ваш адрес email не будет опубликован. Обязательные поля помечены *

Этот сайт использует Akismet для борьбы со спамом. Узнайте, как обрабатываются ваши данные комментариев.